Technik / W-Motorenkonzept


VW betitelte die Technik des Passat W8 selbst als Oberklassen-Niveau. Und sogar die schlimmsten Kritiker des W8 aus der Presse mussten dem 'Hochleistungs-Passat' ähnliche Zugeständnisse aussprechen, wenn es um Qualität, Komfort und Sicherheit ging.
In diesem Kapitel möchte ich grundlegend auf die damals wichtigsten technischen Neuerungen und Besonderheiten des W8 eingehen und vor allem den Motor, der bei den Kritikern am meisten 'unter Feuer' stand, im wahrsten Sinne etwas näher 'durchleuchten'.
 

 

 

 

Maße und Gewicht der Limousine:

Länge: 4703 mm
Breite: 1746 mm
Höhe: 1461 mm
Radstand: 2703 mm
Wendekreis: 11,5 m
Spurweite vorne: 1511 mm
Spurweite hinten: 1510 mm
Zulässiges Gesamtgewicht: 2220 kg
Leergewicht: 1665 kg
Zulässige Dachlast: 100 kg


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Maße und Gewicht des Variants:

Länge: 4682 mm
Breite: 1746 mm
Höhe: 1497 mm
Radstand: 2703 mm
Wendekreis: 11,5 m
Spurweite vorne: 1515 mm
Spurweite hinten: 1510 mm
Zulässiges Gesamtgewicht: 2290 kg
Leergewicht: 1725 kg
Zulässige Dachlast: 100 kg

       
       
Kraftstoffvorrat:

Jeder W8 verfügt zur Erhöhung der Kilometerreichweite einer Tankfüllung über einen 20l-Zusatztank, der das Gesamt-Fassungsvermögen des Kraftstoffvorrats auf 80l vergrößert. Der Zusatztank befindet sich beim W8 unterhalb der Reserveradmulde im Kofferraum. Damit die Mulde den Tank bodenseitig aufnehmen kann, musste die Karosserie an dieser Stelle für den W8 modifiziert und Mulde zwangsläufig verkleinert werden. Das hatte zur Folge, dass jeder W8 ab Werk mit einem schmaleren Not-Reserverad ausgerüstet wurde.
Zusätzliche Füllstandsgeber und Pumpen in Verbindung mit einem Zusatzsteuergerät sorgen für die korrrekte Übermittelung des Kraftstoffvorrats über das CAN-Datennetz an den Schalttafeleinsatz und für das bedarfsgerechte Zurückpumpen des Kraftstoffs aus dem Zusatztank in den Haupttank.

   
   
Getriebe:

Der W8 war entweder mit einem manuellen 6-Gang-Schaltgetriebe oder alternativ mit einer 5-Gang-Automatik inkl. TipTronic und dynamischem Schaltprogramm bestellbar.

Die Getriebetechnik beim manuellen Getriebe blieb im Vergleich zum 'Standard-Passat' gleich. Lediglich das Getriebegehäuse wurde an den W8-Motor angepasst.
Beim Automatikgetriebe gab es zur Anpassung an den W8-Motor noch weitere Veränderungen. So wurden beispielsweise die Übersetzungen und die Bestückung der Kupplungen modifiziert.

Beide Getriebevarianten verfügten aufgrund des 4Motion-Allradantriebs über das von Audi bekannte Torsen-Differential.

Das 6-Gang-Schaltgetriebe ermöglicht für die Limosine eine Beschleunigung aus dem Stand in 6,5 Sekunden auf Tempo 100km/h. Der Variant schafft diesen Spurt in 6,8 Sekunden.
Mit Automatik-Schaltung erreicht die Limosine die 100 Stundenkilometer in 7,8 Sekunden und der Variant in 8,1 Sekunden.

   
Bremsanlage:

Aufgrund der Motor-Mehrleistung verfügte jeder W8 ab Werk über eine stärkere Bremsanlage. Es war die bei Markteinführung im Jahre 2001 bislang stärkste Bremsanlage aller Volkswagen-Modelle!
Als signifikanten Unterschied zu den anderen Passat-Modellen der vergleichbaren Modelljahre verfügte der W8 an den vorderen Rädern über stärkere Scheibenbremsen.
Scheibendurchmesser x Dicke vorne: 334 mm x 32 mm,
Scheibendurchmesser x Dicke hinten: 269 mm x 22 mm.

         
     
 



 



 



 



 



W8-Motor und Motorenkonzept:

In den kompakten Motorraum des VW Passat einen 8-Zylinder-Motor einzubauen war eine Herausforderung für die VW-Ingenieure. Es musste ein kompaktes Aggregat mit möglichst geringen Abmessungen her. So entstand das W8-Motorenkonzept im Konzern.

 

 

 

Wieso "W"?
Wie beim V-Motor verteilen sich die Zylinder auf zwei Bänke, die beim W-Motor in einem Winkel von 72° zueinander stehen. Innerhalb einer Bank halten die Zylinder wie in einem VR-Motor einen Winkel von 15°. Betrachtet man einen W-Motor von der Vorderseite, so erkennt man die Zylinderanordnung als ein doppeltes "V V". Wenn man nun die beiden V gedanklich zusammenschiebt, ergibt sich ein "W".
 

Genau genommen ist also der W8 also ein "Doppel-V-Motor" mit einer Kurbelwelle. Ganz harte Enthusiasten legen deshalb Widerspruch ein und verteidigen ihre Vorstellungen oder Meinungen zu wirklich echten W-Aggregaten, wie es beispielsweise der Konzept-W18 von Bugatti mit seinen 3 Zylinderbänken und zwei Kurbelwellen gewesen ist (dieser stammt bekanntlich ja auch aus dem Volkswagenkonzern).
 

Die genannte Anordnung der einzelnen Zylinder ermöglicht sehr kompakte Abmessungen. Das W8-Aggregat hat eine maximale Länge von nur 42 cm, eine Breite von 70 cm und eine Höhe von 70 cm. Der W8-Motor hat einen Hubraum von 4 Litern (genau genommen sind es 3999 cm³).

Der W8 leistet 275 PS (202 kW) bei 6000 Umdrehungen in der Minute und verfügt über ein maximales Drehmoment von 370 Nm bei gerade mal 2750 Umdrehungen.
Der Passat W8 erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h und wird dann elektronisch abgeregelt. Der Motor (Kennbuchstabe BDN - "Europamodell") gönnt sich SuperPlus (ROZ 98) und erfüllte bereits 2001 die Euro 4 Schadstoffnorm. Der W8 kann auch mit Super (ROZ 95) betankt werden bei in Kauf zu nehmender Leistungs- und Drehmomentminderung.

VW gibt den Verbrauch mit SuperPlus auf 100 km wie folgt an: maximal 19,4 Liter im Stadtzyklus und 13,3 l im Schnitt nach ECE.
CO
2 Emission: 314,4 g/km.

Exkurs: Ich fahre meinen W8 Variant (hauptsächlich Stadt und manchmal Autobahn) mit ca. 16-17 l im Schnitt.

Eine zusammenfassende Auflistung der wichtigsten technischen Merkmale des W8-Motors ist am Ende dieses Kapitels (Ende dieser Seite) zu finden.

 

         
   
 


 


 


 


 


 

 

Von einigen Leuten hört man den Spruch, dass der W8 doch nur aus zwei 4-Zylinder-Motoren 'zusammengeschustert' sei. Das stimmt sogar, wenn man sich die Zylinderanordnung wie im Baukastenprinzip vorstellt (vgl. Foto links). Doch 'in echt' trägt dieser Vergleich doch wohl nur dazu bei, die Baugruppenstruktur des W8 einfacher herzuleiten. Schon beim Kurbelgehäuse ist der W8-Motor keine 2-Motoren-Lösung mehr. Bei den Zylinderköpfen kann man allerdings noch ein 2-Motoren-Prinzip erkennen.

Somit sind einige Funktionsteile bei der VR- und W-Motorenfamilie tatsächlich identisch. Im Zylinderkopf teilen sich die Motorenfamilien zum Beispiel...
Ventile, Ventilfedern, Rollenschlepphebel und die Elemente zum Ausgleich des Ventilspiels.
Auch größere Teile der Motorsteuergeräte-Software sollen identisch sein.

Durch die flexiblen Kombinationsmöglichkeiten der Baugruppenstruktur von VR- zu W-Motoren und umgekehrt ist es nicht nur theoretisch möglich, weitere W-Motoren mit einer anderen Anzahl an Zylindern zu konzipieren.
So sind noch weitere W-Motoren entstanden: Beispielsweise der W12, der noch heute im Phaeton eingesetzt wird (zuletzt überarbeitet: 450PS / 560Nm / 6l) und in einer limitierten Stückzahl auch im VW Touareg verkauft wurde und auch damals im Audi A8 geordert werden konnte.
Oder der W16, der in Verbindung mit Quad-Turbo-Technik als 8Liter-Triebwerk seit 2005 im 1001PS starken Bugatti Veyron eingesetzt wird. Ja selbst einen W18 Motor in 'echter' W-Konfiguration mit zwei Kurbelwellen (555PS / 650Nm / 'nur' 6,2l) hat es bei Bugatti in Konzeptfahrzeugen, jedoch nie in Serie gegeben.

Beachtenswert ist, dass der W12 Motor nahezu die selbe Länge aufweist, wie ein im Hubraum vergleichbarer 'echter' V8!

 

 

Doch auch beim W8 - oder gerade dort - muss der Vorteil der Kompaktheit auch mit Kompromissen und Nachteilen erkauft werden. Die Winkel von Bänken und Zylindern erfordern eine schmale und flache Kurbelwelle mit Kröpfungen von -18 Grad Versatz für gleichmäßige Zündabstände. Die daher im Gegensatz zum konventionellen V-Motor auftretenden Vibrationen müssen immerhin zwei Ausgleichswellen tilgen. Das bedingt eine größere Reibung im Aggregat was sich auch negativ im Verbrauch auswirkt. Allerdingt erhält der W8 durch den Einsatz der Ausgleichswellen eine sehr ruhige Laufkultur.
Grundsätzlich problematisch sind die engen Zylinderabstände auch unter thermischen Gesichtspunkten, was sich ebenfalls durch einen tendenziell hohen spezifischen Verbrauch äußert.
 

 



Hier ein kleines und interessantes 3D-Video, welches strukturhaft einen gestarteten W8-Motor und dessen 'Innereien' zeigt...

-->  Demonstration W8-Motor  (EXE! - 3,5MB)





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Technische Daten des W8 Motors (zusammengefasst)
 
Hubraum [cm³] 3999
Kennbuchstabe BDN (Abgasgrenzwerte gemäß EU4 Norm)
(BDP für Übersee / Abgasgrenzwerte gemäß LEV Norm 1)
Leistung [PS (KW)] 275 (202) bei 6000 Umdrehungen
Max. drehmoment [Nm] 370 bei 2750 Umdrehungen
Bohrung [mm] 84
Hub [mm] 90,168
Verdichtung 10,8:1
Anzahl Zylinder 8
Anzahl Zylinderköpfe 2
Nockenwellen 2 Nockenwellen je Bank / kontinuierliche Verstellung
Schränkung [mm] ±12,5
Bankversatz [mm] 13
V-Winkel Zylinderköpfe beider Bänke [°] 72
V-Winkel der Zylinder einer Bank [°] 15
Anzahl der Ventile 4 pro Zylinder / 32 in Summe
Splitin (Zapfenversatz Kurbelwelle) [°] -18
Zündfolge 1-5-2-6-4-8-3-7
Aufladung keine (Saugmotor)
Einbaulage Frontmotor längs





Weitere und vor allem detailliertere Infos zum W8-Motor sind im Downloadbereich bei den Selbststudienprogrammen zu finden.

Falls Ihr weitere interessante Hinweise zur W8-Technik für mich habt oder auf Fehler gestoßen seid, dann einfach per Mail eine kurze Info an mich! ;)