Der Passat W8


Ich möchte dieses Kapitel mit einem Zitat beginnen...

Der Passat W8 - Eine neue Dimension


Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,

ein neues Automobil zu bauen, ist stets eine große Herausforderung. Erst recht darf man sich dabei technischen Neuheiten und Weiterentwicklungen nicht verschließen. Im Gegenteil, man muss die Trends selbst setzen.
Nicht zuletzt ist es auch eine Frage der persönlichen oder beruflichen Ansprüche, die nun mal höchst unterscheidlich sind. Ihre Wahl fiel auf unser Modell, den Passat W8. Ihr Entschluss, da können Sie beruhigt sein, war genau der Richtige. Und für diese Entscheidung und das in Volkswagen gesetzte Vertrauen bedanke ich mich bei Ihnen, auch im Namen aller Mitarbeiter.
Der Passat W8 stellt eine neue automobile Entwicklungsstufe dar. Da ist in erster Linie die Antriebstechnik - W8 in Verbindung mit 4MOTION - zu nennen. Im gleichen Atemzug müssen aber auch die exklusive Ausstattung, das elegante Design, die zuverlässige Qualität und die hohen Sicherheitsmerkmale genannt werden.
Bestimmt freuen Sie sich schon auf Ihre ersten Fahrten. Mit diesem Buch möchten wir die Vorfreude noch ein wenig erhöhen.
Das Autobuch macht Sie mit zahlreichen Funktionen vertraut; es ersetzt aber nicht das ausführliche und detaillierte Bordbuch. Dieses erhalten Sie direkt mit den Schlüsseln zu Ihrem Passat W8.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre und jede Menge Vorfreude auf ein Auto, mit dem Sie in einer neuen Dimension fahren werden.

Ihr Ferdinand Piëch

Dr.techn.h.c. Dipl.-Ing. Ferdinand Piëch, Vorsitzender des Vorstandes der Volkswagen AG 2001
Einleitende Worte aus "Ihr Buch zum Passat W8".






Im September 2001 war der Verkaufsstart des VW Passat W8 in Deutschland als Limousine und zugleich als Variant. Der W8 genoss zu dieser Zeit eine exklusive Sonderstellung bei Volkswagen; war er doch der leistungsstärkste VW-Serien-PKW aller Zeiten. Mit dem W8 hielt erstmals seit bestehen der Modellreihe ein Achtzylinder Einzug in den Passat.
 

 

Die optimistische Presse titulierte den W8 zu dieser Zeit als gelungenen Einstieg Volkswagens in die obere Mittelklasse, ja sogar in die luxuriöse Oberklasse. Der W8 trat zu einer Zeit in den deutschen Markt ein, als der Phaeton - als VW-Vertreter der Oberklasse - oder der Touareg noch Zukunftsmusik waren. Der Phaeton war damals nur bekannt als Konzept "D1", der Touareg als "Projekt-Colorado / MAC - Multi Activity Cruiser".

Der W8 sollte als Vorbote den Einstig in das Luxussegment ebnen, Geschmack auf mehr machen. Pessimisten betitelten den W8 damals als kurzlebigen Lückenfüller und als netten Versuch Volkswagens, den etablierten Luxuskarossen im deutschen und auch im weltweiten Markt Alternativen entgegenzusetzen. VW erhoffte sich durch die Einführung des Passat W8 die Ankurbelung des Automobilabsatzes, hauptsächlich auch in Nordamerika.

 

Der Passat W8 besticht in erster Linie durch Understatement:
Ist er doch rein äußerlich ein ganz 'normaler' VW Passat, auf den ersten flüchtigen Blick von seinen Artgenossen nur durch zwei kleine Details zu unterscheiden: das W8-Logo im Frontgrill und die zweifachen Doppel-Abgas-Edelstahlendrohre am Heck.
Vor allem im Innenraum überrascht der W8 mit vielen liebevollen und allein dem W8 vorbehaltenen Details: eine besondere Innenleuchte mit Ambientelicht, Chromzierleisten im Armaturenbrett und in den seitlichen Türverkleidungen, ein exklusiver Schaultknauf mit Schriftzug und in Chromringe eingefasste Skalen im Schalttafeleinsatz - Tachoskala bis 300km/h (etwas übertrieben, da der W8 bei 250km/h elektronisch abgeriegelt wird).


Zudem waren besondere Ausstattungen serienmäßig, die in anderen Passat-Modellen nur gegen Aufpreis erhältlich waren. Dazu gehörten Climatronic, Kopfairbags, Allradantrieb 4MOTION (Torsen), Xenonlicht, Wurzelholzeinlagen, Chromzierleisten außen und 17 Zoll Leichtmetallräder. Darüber hinaus waren - wie auch im 'Standard-Passat' - weitere Sonderausstattungsn wie ein dynamisches Navigationssystem, ein TV-Tuner, ein digitales Soundpaket, ein Solardach oder Recaro-Sportsitze bestellbar.


Und damit dem Passat-Fahrer auch auf längeren Fahrten nicht vorzeitig der 'Spaß am Fahren' geraubt werden sollte, verfügte der W8 grundsätzlich über einen 20 Liter Zusatztank, der das Gesamtfassungsvermögen des Spritvorrats auf 80 Liter aufstockte. Zudem wurde beim W8 auch die Karosserie verstärkt, was zur Erhöhung der Chrashsicherheit und Steifigkeit beitrug und das Akustikverhalten des Wagens verbesserte und sicherlich auch positiv der Straßenlage bei verschiedensten Fahrmanövern Rechnung trug. Diese Maßnahme bedingte einen kleinen Nachteil bei der Limousine: Aufgrund einer fest eingeschweißten Sitzrückwand im Font ist die Rückbank im W8 nicht umklappbar. Beim W8 Variant gibt es diesbezüglich keine Einschränkungen.
Natürlich boten die Limousine als auch der Variant im Vergleich zu ihren jeweils 'kleineren' Brüdern gleiche Größenverhältnisse bei den Möglichkeiten der Zuladung und der Körperfreiheit der Insassen - ein familiengeeignetes Allround-Talent, typisch VW Passat eben!


Da der W8 über einen langen Verkaufszeitabschnitt eine separate Ausstattungslinie des Passats in Deutschland war, trug er die Volkswagen-interne Modellbezeichnung "3BS" (B5GP-W8). Andere Passat aus dem gleichen Produktionszeitraum waren der 3BG oder der 3BL (Passat Protect).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Markteinführung des VW Passat W8 bestätigte die neue Ausrichtung des Wolfsburger Autohauses, das entschlossen war, Mercedes-Benz, BMW, Jaguar und Audi auf deren 'eigenem Terrain' herauszufordern, nämlich im Bereich Luxus und Leistung. Das Ergebnis war zunächst der 'brave' W8; ein Wagen mit hervorragender Fertigung jedoch mit einem für viele hinter den Erwartungen zurückgebliebenen 275PS starken Motor.
Zwar ist der W8 ein echter 8-Zylinder und machte zunächst neugierig, fuhr er jedoch in direkten Vergleichen zu den damals etablierten und 'alteingesessenen' Reihen-8-Zylindern von BWM (z B. der 540i mit 286PS) oder den V8 von Mercedes-Benz (z.B. E430 mit 279PS) oder Audi (S8 V8 mit 340PS) schon in ersten VW-unabhängigen Vergleichstest der allgemeinen Automobilpresse hinterher.

Zugegeben: Der 8-Zylinder Motor in W-Bauform verhielt sich im Spurt sehr zögerlich. Weniger auf Sport getrimmt als vielmehr auf niveauvolles 8-Zylinder-Fahren - oder wie die Jugend von heute sagt: "cruisen" - eingestellt. Zudem verfügte der W8 nicht über das Image eines 'dicken' Mercedes oder BMW. Leute, die ein 8-Zylinder-Statement verlangen, kaufen sich keinen Volkswagen.


Jedoch hatte der W8 im direkten Ausstattungsvergleich im Kräftemessen kein Nachsehen: war doch der Allradantrieb mit dem von Audi bekannten und sehr guten Torsen-Differential Serie (keineswegs bei BMW oder Mercedes!) und der Innenraum war sehr hochwertig ausgerüstet. Auch das Fahrwerk des W8 war Ganz klar konkurrenzfähig.
Im Preis-Leistungs-Verhältnis war der W8 mit Abstand der Gewinner. Der W8 war als Einführungsmodell damals mit Automatik für knapp 82.000,- DM zu bekommen! Davon träumten Mercedes & Co in diesem Fahrzeugsegment (dort musste man mindestens 20.000,- DM 'tiefer' in die Tasche greifen).
 

 

Bleibt zuletzt die Frage:
Hat der W8 den Sprung in die obere Mittelklasse oder sogar in die Oberklasse geschafft?

Bildet Euch Eure eigene Meinung:
Heute, nachdem der W8 nicht mehr produziert wird, kann man Revue passieren lassen. Viele Skeptiker warfen damals - und tun es heute noch - dem Urheber des W8, Ferdinand Piëch, vor, zu übereifrig von der Golf-Plattform auf die Audi A4 Plattform und somit vom Quereinbau des Motors zum Längseinbau gewechselt zu sein. Nur durch die Längsbauweise war es überhaupt möglich gewesen, in den Passat ein 8-Zylinder-Aggregat 'einzupflanzen'. Mit enormem Aufwand wurde eigens für diesen Zweck ein Achtzylindermotor in W-Form entwickelt.

Der W8 wurde selten verkauft, auch im erhofft absatzstarken nordamerikanischen Markt. Der W8-Motor wurde in keinem anderen Konzernmodell eingesetzt, so dass die Produktion beim Modellwechsel auf den Passat 3C eingestellt wurde. Der aktuelle VW Passat ist, wie auch das bis 1996 gebaute Modell, wieder ein Quermotorfahrzeug und bietet dadurch keinen Platz mehr für ein 8-Zylinder-Aggregat in V- oder W-Bauform.
Im September 2004 wurde die Produktion des W8 Variant und der W8 Limousine und somit auch der Vertrieb in Deutschland eingestellt. Zeitgleich konnte auch der 'Normal'-Passat als Limousine nicht mehr bestellt werden.


Heute kann man sagen, dass die Pessimisten von damals in Teilen Recht behielten.
Dennoch: Der VW Passat W8 war und ist ein sehr interessantes und fortschrittliches Fahrzeug, was auch heute noch Aufmerksamkeit erregt. Der W8 wird noch oft und gerne unterschätzt, was vielen Leuten immer noch ein 'Aha'-Erlebnis beschert zum Gefallen der W8-Fahrer oder -Eigentümer. In keiner anderen Modellvariante des Passat B5 gibt es 'so viel Passat'.

Da ich selbst einen W8 Variant fahre und sehr zufrieden damit bin darf ich sagen (die süddeutsche Delegation darf es mir vergeben):
Ich habe "Freude am Fahren"! ;)





Falls Ihr weitere interessante Hinweise zum VW Passat W8 für mich habt oder auf Fehler gestoßen seid, dann einfach per Mail eine kurze Info an mich! ;)